Faramir und Farouche

Im Haus haben wir beinahe unbegrenzte Möglichkeiten zum Spielen. Es gibt auf jeder Etage und in jedem Zimmer (außer Schlafzimmer und Bad/WC) Kratzbäume. Unser Tagesablauf sieht im ungefähren so aus:

Früh so gegen 5.00 Uhr lauern Farouche und ich (Faramir) vor der Schlafzimmertüre und horchen, ob sich da was tut oder bewegt. Wenn wir was hören, veranstalten wir ein kleines Katzenkonzert.

Anmerkung von Farouche:
Für uns ist das Schlafzimmer Tabuzone, was wir überhaupt nicht verstehen. Wir hassen verschlossene Türen, wenn unsere Besitzer dahinter sind. Wo gibt’s denn so was? Es ist unser Revier und wir dulden hier unsere Mitbewohner.

Anmerkung von Faramir:
Richtig! Schließlich sind wir die Chefs.

Meist kommt das Herrchen zuerst raus und dann gehen wir anschließend, aber nicht ohne vorher erst mal den Kratzbaum richtig zu bearbeiten, mit in die Küche. Dort macht er erst den Kaffee fürs Frauchen und anschließend füllt er unsere Näpfchen mit Nassfutter. Während diese alltägliche Prozedur läuft, liegen wir am Boden rum oder bearbeiten die Beine des Dosenöffners. Anschließend werden die Näpfchen an die Futterbar gebracht. Ich bekomme immer mein Schälchen zuerst und dann der Farouche, anders funktioniert es nicht! Ich bin der Kapo.

Anmerkung von den Besitzern:
Ätsch dafür ist im Schälchen von Farouche immer etwas mehr drin.

Anmerkung von Faramir:
Gemeinheit! Mordio und Zeder.

Während wir brav das Schälchen leer mampfen und der Kaffee durchläuft holt sich das Herrchen die Zeitung und geht anschließend damit aufs WC. In der Zwischenzeit steht die Babs auf und ich begebe mich nach oben zu ihr ins Bad. Der Farouche hingegen wartet aufs Herrchen. Der geht dann mit Zeitung, Kaffee und Herrchen ins Bad. Hier ist dann gemütliches Beisammensein angesagt, meist bis alle im Bad fertig sind. Manchmal sind wir richtig gut drauf, dann geht es richtig ab im Bad. Wir jagen den Wattestäbchen hinterher, die aus heiterem Himmel auf den Boden fallen. Oder attackieren den Badvorleger mit allen Pfoten. Es gibt auch ruhige Tage, dann liege ich unter dem Heizkörper auf einem Teil der Zeitung, welcher mir überlassen wurde.

Anmerkung von Farouche:
Den Platz habe ich zuerst entdeckt und konnte den Monate lang für mich allein genießen. Bis der Dicke kam und sich hinter mir auf die Zeitung gedrängt hat. Und irgendwann gebe ich halt klein bei. Aber meine lieben Mitbewohner haben mir einen Badvorleger spendiert und auf dem liege ich jetzt.

Wir dösen so vor uns hin und genießen die Harmonie bis die Zweibeiner das Bad verlassen. Dann gehen wir mit raus oder lassen uns ganz lieb rauswerfen. Anschließend ist für uns das Bad tabu, wie im übrigen auch der Heizungsraum und der Waschkeller. Aber manchmal erwische ich das Loch doch, während einer die Tür öffnet und rein geht. Da bin ich ganz schön gewieft und gebe Gas, wenn ich meine Lieben überlisten will. Der Farouche ist da anders, der akzeptiert in der Regel die ihm gesetzten Grenzen.

Frauchen ist mittlerweile schon weg, während Herrchen noch unser Katzenklo sauber macht und E-Mails abruft. Dann verlässt auch er uns und wir jagen vielleicht noch ein bisschen durchs Haus, um anschließend an einem unserer Lieblingsplätze (davon haben wir viele) abzuhängen. Oft sitzen wir noch eine Zeit am Fenster oder an der Terrassentüre um die Lage zu peilen.

Am späten Nachmittag erwarten wir dann den Detlef zurück, den wir an der Türe oder am Fenster empfangen. Er kommt meistens als erster nachhause. Wir begrüßen ihn dann entsprechend und beschnuffern alles was er so mitbringt. Zuerst lassen wir uns erst mal streicheln und dann is gut - für mich jedenfalls. Der Farouche genießt das Ganze etwas länger. Meistens begleiten wir den „Zuerstkommer“ bei seinem Weg durchs Haus. Und dann muss erst mal wieder Pause gemacht werden.

Während Herrchen auf der Couch liegt und fernsieht, springe ich ihm auf den Bauch und mach es mir bequem. Ich weiß da gibt es dann irgendwann ein Leckerli, nämlich Kitty Kaviar. Das hat mir Herrchen so beigebracht. Ich bin ja bei Leckerli so gelehrig. Auf diese Weise besuche ich mein Herrchen am Abend noch öfter, aber es gibt nicht immer was. Auf dem Bauch liegen ist auch nicht ungeschickt, es ist so schön warm.

Später kommt die Babs nachhause, dann ist meine Zeit gekommen. Ich umgarne sie mit all meinem Charme und lasse mich von ihr verwöhnen.

Irgendwann sind wir dann wieder etwas müde und legen uns zu einem kleinen Schläfchen hin.

Plötzlich ist Aufbruchstimmung und die beiden Herrschaften wollen ins Bett. Da müsst ihr mal den Farouche sehen. Der wird plötzlich aktiv, rennt den Beiden hinterher und macht dann einen auf voll verschmust. Prompt ringt er den Beiden noch einige Schmuseeinheiten ab. Im Bad dürfen wir uns noch mit aufhalten und später schließt sich die Schlafzimmertüre hinter den Mitbewohnern.

Den Ablauf in der Frühe kennt ihr ja schon. Nur am Wochenende oder wenn die Beiden Urlaub haben, läuft natürlich einiges anders. Da lässt mich das Herrchen auch schon mal ins Schlafzimmer, um das Frauchen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Denn selbst das ganze Remmidemmi, welches ich vorher veranstaltet habe, bringt die Schlafmütze nicht aus der Koje.


Ergänzung vom 20.02.07:

Endlich ist uns die Eroberung des Schlafzimmers gelungen. Zu Weihnachten durften wir erstmals ins Schlafzimmer - wurden aber dann nach zwei Stunden wieder vor die Türe gesetzt. Gut - wir waren nicht so brav und haben dort richtig abgerockt. Aber beim nächsten Versuch waren wir schon viel braver und mittlerweile halten wir uns jeden Tag im Schlafzimmer auf.

Der Farouche allerdings geht dann meist in der Nacht wieder raus (die Türe ist einen kleinen Spalt offen) und zieht es vor an seinen Stammplätzen im Haus zu übernachten.
Übernachtungsmöglichkeiten wären eigentlich genug, aber der ist halt ein wenig eigen. Ich (Faramir) dagegen bin dankbar, dass ich mit im Schlafzimmer sein darf und bleibe auch bis morgens in meiner kleinen Schlafhöhle liegen (Ihr könnt es Euch ja unter Bilder 2007 selbst anschauen).

Wenn allerdings meine innere Uhr sagt, die Herrschaften müssen aufstehen, oder der Wecker klingelt oder meine Beiden beginnen sich im Bett zu räckeln, dann verlasse ich meine Höhle, gähne und strecke mich erst mal ordentlich. Anschliessend schleiche ich mich durch die Besucherritze bis zum Herrchen und schlecke ihn erst mal wach. Er ist allerdings nicht immer begeistert. Beim Frauchen komme ich nicht immer ran, die zieht sich nämlich die Decke bis zum Kopf hoch. Das ist eine echt fiese Masche!

Als echter Sonyboy lasse ich mich streicheln, schnurre und schaue immer ganz lieb. Damit sorge ich für gute Laune und geniesse die Aufmerksamkeit samt Streicheleinheiten.

Mittlerweile ist der Farouche auch angetrabt und beobachtet das ganze Geschehen. Jetzt sind wir alle vier wieder beisammen und das Morgenritual beginnt wie gehabt.

Ergänzung vom 12.06.07:

Wegen guten Benehmens haben wir nun des Öfteren Freigang, den wir auch immer ausgiebig genießen. Allerdings leider immer nur unter Aufsicht und strengen Auflagen. Es ist einfach unmöglich von unseren Besitzern! Sie setzen uns Grenzen was den Bereich des Auslaufs anbetrifft. Wir sind nämlich mittlerweile schon ganz schön mutig und möchten gerne den Bereich, in dem wir uns bewegen, ausweiten. Hin und wieder finden wir eine Sicherheitslücke durch die wir schlüpfen, aber die Flucht wird immer sofort bemerkt und unterbunden. Folge ist, dass die entdeckten Sicherheitslücken umgehend geschlossen werden. Ganz schön gemein, oder?

Ach ja, ich habe noch eine nette Geschichte:
Wie wieder mal die Terrassentüre offen und der diensthabende Aufseher (Herrchen) einen Moment mal nicht aufmerksam war, habe ich die Fliegengittertüre in gewohnter Weise aufgebrochen. Ohne lange zu zögern sind wir (Farouche lässt mich immer die Dreckarbeit machen - Fliegengittertür aufstemmen) umgehend in die Freiheit marschiert.
Während ich nach rechts weg bin und die Truhe ausgiebig beschnüffelt habe, ist der Farouche nach links marschiert. Er schlendert so an der Wand entlang auf Nachbars Terrasse zu und zieht sich die feinen Gerüche der Kräutertöpfe rein. Ohne allerdings zu merken, dass sich eine Streunerkatze auf Nachbars Terrasse ausruht. Und wie er da so schlendert, hat die Streunerkatze ihn bereits schon bemerkt und sich aufgestellt. Nach weniger als einen Meter vor ihr, hat er sie nun auch gesehen. Bis dahin hatte ich noch nichts davon mitbekommen. Jetzt erst, als ich den Farouche brummen und ein Fauchen von der anderen Katze gehört habe, bin ich auf den Zwischenfall aufmerksam geworden. Sofort bin ich losgerannt um meinen kleinen Bruder zu helfen. Ich habe mich sofort neben meinem Bruder gestellt und mit ihm diese Streunerkatze angebrummt, während sie uns ständig anfauchte. Wir waren in geduckter Stellung und zu allem bereit. Da dieser Eindringling in unserem Territorium nichts zu suchen hat, habe ich mich ohne lang zu fackeln entschlossen anzugreifen. Mit meinem ganzen Gewicht habe ich sie umgeworfen. Nun hat sich mein treuer Bruder auch in das Gerangel gestürzt und wir waren für kurze Zeit ein einziges Fellknäuel. Wie von der Tarantel gestochen, sprang der Streuner aus diesem Knäuel und rannte so schnell davon, wie ich noch nie eine Katze rennen sah. Sie hatte unser Herrchen fast umgerannt, der versucht hat noch dazwischen zu gehen. Aber es ging für ihn alles zu schnell. In Bruchteilen von Sekunden war ja schon alles vorbei.
Während unser Herrchen uns ins Haus zurücktrieb, waren wir noch voller Adrenalin. Farouchie hat mich ständig angeknurrt, obwohl ihn Herrchen streichelte und versucht hat ihn zu beruhigen. So habe ich Farouche noch nie erlebt.
Voller Stolz sind wir mehrere Stunden im Haus nebeneinander mit geschwellter Brust umhergelaufen und waren so eins wie noch nie. Jaaa, so ein gemeinsames Abenteuer schweißt mächtig zusammen.